Es ist mal wieder spät geworden, hier in unserem gemütlichen Hostel. Bevor ich ermattet ins Bett falle, möchte ich noch Bericht erstatten. Der Tag fing an, wie jeder andere Arbeitstag hier auch: aufstehn um 6:45. Danach zum Frühstück kurz in die Funnies reinschauen, und (sehr wichtig!) genüsslich eine Tasse Earl Grey schlürfen - der ist hier übrigens sein Gewicht in Gold wert. Anschließen galt es, sich gegen die eisige Kälte der Abfahrt zu wappnen. Heute hab ich es mal mit 4 Schichten Windstopper versucht, also allem was ich hab. Das Ergebnis war immernoch nicht zufriedenstellend. Es geht von der Herberge etwa 3km steil bergab. Um halb 8 herrschen da etwa -10 bis -15 Grad, die zusammen mit dem Windchill meinen halbschlafenden Metabolismus täglich aufs neue überfordern. Erfreulicherweise gelingt es mir aber stets, auf den restlichen Kilometern zur Stadt der Kälte durch zügiges Tempo Herr zu werden (dieses ist auch notwendig, da ich mir beim Frühstück zu viel Zeit gelassen habe und spät dran bin).
Nach dieser Talfahrt erwartete mich heute ausnahmsweise mal ein liegengebliebenes Projekt vom Vortag, bei dem noch einiges im Argen stand - O-Ton Al: ''Downhillbikes suck!'' Außerdem gab es sogleich einen Tageshöhepunkt - meinen allerersten Paycheck! Die Arbeit am Stinky, so der (passende) Name der Bergabschaukel, war nervenaufreibend und zeitaufwändig, doch bis zum Mittag hatte ich es besiegt und auch wieder einiges dazugelernt. Gerade wollte ich zur Bäckerei aufbrechen und im Anschluss meinen Paycheck zur Bank schaffen, da kam Terry mit froher Kunde in unser Bike-Basement herabgepoltert: ''Your bike's here! It's upstairs!'' Ich dankte ihm für diese erfreuliche Nachricht und begab mich gemäßigt nach oben. Okok, ich stürmte die Treppe rauf und jubelte vor Freude. Meine Begeisterung erhielt einen gehörigen Dämpfer, als die kleine runde Postfrau die Hand aufhielt: ''230Dollars and 26Cents, please.'' Ja, hier in Kanada darf ich auf mein eigenes Rad Steuern bezahlen. Wendy legte das Geld freundlicher Weise für mich aus. Damit bekam die Fahrt zur Bank eine ganz andere Bedeutung, denn ich konnte mich schon vorab von einem substanziellen Teil meines Paychecks verabschieden. Trotzdem wollte sich keine schlechte Laune einstellen, denn es war sonnig draußen, und eine Woche reicht noch lange nicht, um mich an die atemberaubende Aussicht zu gewöhnen, die man selbst von innerhalb der 'Stadt' hat. Außerdem war mein Rad da! Also habe ich zur Feier des Tages für die ganze Belegschaft Törtchen gekauft.
Der Nachmittag zog sich uuunneeeennddlliiicchhh in die Länge, ich hatte das Pech, unter anderem ein sehr ramponiertes Townie (so nennen die ihre Stadtschlampen hier) zu bekommen, an dem so ziemlich alles kaputt war. Mit viel fluchen und schimpfen - auf deutsch, davon sind die Jungs in der Werkstatt begeistert - und ein klein wenig Gewalt gelang es mir, die Schrottkarre eine halbe Stunde vor Ladenschluss wieder fit zu bekommen. Al grinste wissend: ''Now you just need to clean up your bench, and then you can build your own bike.'' Die nachfolgende Aufbauparty war definitiv das zweit-awesomste Ereignis dieser Woche. AC/DC hämmerte durch die Werkstatt, es gab reichlich Bier, und alle fanden Zeit, mal reinzuschauen und meine Freude zu teilen. In dieser Atmosphäre war es leicht, sich für das eine oder andere Upgrade am Rad zu entscheiden, denn eigentlich mussten die Teile ja schon lange ersetzt werden, und bei den super-Staff-Preisen wäre es ja dumm, nicht gleich bessere zu nehmen... (Zu diesem Zeitpunkt hatte sich dann bereits die Hälfte meines Paychecks amortisiert.)
Irgendwann gelang es mir dann doch, mich von meinem 'Arbeitsplatz' loszureißen, meine Lebensmitteleinkäufe zu machen, und mich auf meinem(!!!) Rad gen Hostel zu begeben. Kurz vor dem Abzweig zum Anstieg hatte ich dann noch die Gelegenheit, ner Elchherde beim Überqueren der Straße zuzusehen, und ich sage euch eins: wenn ihr denkt, ich hätte ne Arschruhe weg, dann solltet ihr euch die mal anschaun!
Das Bergauffahren ist eine wahre Freude mit dem Rad, das um einiges leichter und wendiger ist, als das große, schwere, und trotzdem irgendwie charmante HoChiMin. Letzter Höhepunkt des Tages war unser Abendessen, Sandwiches mit selbstgebackenen Brot, Porkchops heiß vom Grill, frischen Blattspinat & Zwiebeln. Pläne für morgen? Ausschlafen. Laange Duschen. Lääänger Frühstücken. Kekse backen (danke für die Rezepte, Mama).
Stay tuned,
Dirk
Freitag, 28. März 2008
Ups and Downs
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1 Kommentar:
Das ist ja beneidenswert, dass du Elche gesehen hast. Ich habe das in 5 Jahren Schwedenurlaub nie schaffen können. Damn!
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