''...so komisch hell, und bewegen tut ;P sie sich auch.'' Dann dämmerte es mir: das ist gar keine Wolke, das sind Northern Lights - Nordlichter! Eigentlich hatte ich meine Stirnlampe nur ausgeschalten, um die Sterne besser zu sehen, aber damit hatte ich nicht gerechnet. Ich eine ganze Weile stand ich still, allein auf weiter Flur, und starrte fasziniert in den Himmel. Irgendwann kroch die Kälte der Nacht dann leider doch durch die vielen Schichten Kleidung und zwang mich dazu, weiterzufahren. Es waren noch ein paar Kilometer bis zum Hostel, die es in leichten Schlangenlinien (teils wegen der Steigung, teils wegen des Bieres) zu bewältigen galt. Trotzdem war ich froh, Wendys Angebot, mir ein Taxi zu rufen, ausgeschlagen zu haben. Schließlich sorgt kaum etwas so gut für einen klaren Kopf wie eine Heimfahrt unter dem - wegen der klirrenden Kälte - sternenklarnen Himmel. Die örtlichen Light Pollution Laws sind sehr strikt, deshalb wirkt das Sternenzelt hier ungleich größer als zuhause.
Doch vielleicht sollte ich von vorn beginnen - ab ovo, wie wir Lateiner sagen. Und mit dem Ei - genauer gesagt zwei Eiern - fing am Dienstag auch alles an. Dann kamen noch Milch und Mehl dazu, und fertig waren die Pancakes. Zusammen mit Jogurt und Ahornsirup gibt das ein sehr kanadisches Kraftfrühstück, ideal für einen langen Tag auf 2 Brettern. Womit wir auch schon beim nächsten Thema wären: den Berg in die Stadt runter brettern - ging nicht! Es hatte nämlich über Nacht einige Inches Schnee ge...ähm...schneit, und ich wollte meine spektakulären Abgänge doch nicht im Wald vergeuden, wo's keiner sieht, außer der Sonne. Denn nach einer furchtbar langen Zeit, so schien es mir zumindest, gab sich Klärchen mal wieder die Ehre - und wie! Am Fuße der Abfahrt musste ich die erste Jacke auziehen, wenig später eine weitere, sowie Handschuhe, Mütze & Halstuch. Trotzdem war mir, als ich im Laden ankam ordentlich warm. Jetzt galt es, die passende Ausrüstung aufzutreiben. Boots, Ski & Stücke waren in der Leihabteilung von Freewheel schnell gefunden, als Jacke würde bei den milden Temperaturen das (supergeile!) Dakine Softshell ausreichen, das ich zuvor gekauft hatte, und Handschuhe hatte ich ja. Es fehlten nur noch Skihosen. Also machte ich mit Chris einen kurzen Abstecher zu seinem und Wendys Haus, wo er mir ein Paar Freestylepants verpasste.
Meine Ausstattung war also komplett. Leider war es doch nicht möglich, den Laden für einen ganzen Tag zu schließen, also würden nur Chris, Derek und ich auf den Hügel fahren. Chris riet mir, hinten im Van einzusteigen, ''Because we are gonna smoke a Joint!''. Denn das, meine Freunde, ist the Canadian Way des Skifahrens: ''Riding, drinking, smoking pot.'' Ich beschloss, mich zumindest bei letzterem zurückzuhalten. Bald bogen wir ab vom Parkway 93 und fuhren die Straße hinauf zum Marmot Basin. Je höher wir kamen, desto platter drückte ich meine Nase an der Scheibe - die Aussicht war einfach fantastisch. Allzu sehr konnte ich sie jedoch nicht genießen, denn Chris - aufgelockert durch Grünpflanzen - nahm die Schneebedeckten Steilkurven sehr enthusiastisch. Wenig später waren wir auch schon oben, erhielten unsre Tagespässe, legten unsrer Ausrüstung an, und nahmen das erste Bier des Tages. Der Parkplatz war einige hundert Meter oberhalb des ersten Lifts und auf dem weg dorthin verpasste mir Chris eine - wie er es nannte - ''fortyfive second ski lesson''; rückwärts vor mir herfahrend und Anweisungen schreiend. Unten angekommen winkte er gelassen ab: ''You'll be fine, you already got it dialed.''
Und wirklich - schwierig war es nicht gewesen. Zwar benahmen sich die Ski anders als die Langläufer, die ich bisher gewohnt war, doch mir kam die Ahnung, dass ich damit viel Spaß haben könnte. Als nächstes ging es aufwärts mit dem ersten Lift, zu einigen einfacheren Pisten zur Eingewöhnung, auf denen Chris und Derek sich mit Sprüngen amüsierten. Ich versuchte die soeben gehörten Lektionen so gut wie möglich in die Tat umzusetzen, doch immer wieder kam der Ruf von Chris ''Arms up, like a dork!'' Unversehens befand ich mich am Fuße eines Liftes FOR ADVANCED SKIERS ONLY, und Chris und Derek blickten mich fragend an. Ich grinste: ''Why not?'' Von oben führte genau eine blaue (=mittelschwere) Piste nach unten, und natürlich einige Single Blacks und Black Diamonds. Double Blacks, das heißt so viel wie ''nur für Bescheuerte'' gibt es nur wenige. Natürlich nahm ich die blaue, schließlich hänge ich ein wenig am Leben, und stand grad mal eine Stunde auf Abfahrtsskis. Es erübrigt sich wohl zu sagen, dass Chris und Derek keine der Pisten nahmen, sondern die Hänge, die zum präparieren zu steil und auch nicht freigegeben waren. Langsam aber sicher bekam ich ein Gefühl für die Schwünge, doch natürlich blieben einige (harmlose) Stürze nicht aus. Wieder am Parkplatz wurde erstmal aufgetankt, und ab ging es wieder. Diesmal schleppten mich die beiden auf einen Black Diamond, zweithöchste Schwierigkeit auf dem Hügel, und verdammt steil. Mir ging ganz schön die Muffe, aber irgendwie bin ich heil unten angekommen, und hatte Blut geleckt: ich wollte mehr! Also nahmen wir den Lift zur Spitze des Berges, und dort schickte mich Chris einen Hang hinunter, der gar keine Klassifizierung hatte, außer einem großen Warnschild: ATTENTION. Die Abfahrt war steil, schmal, und sehr bucklig. Während ich mich Schwung für Schwung nach unten kämpfte und mehr als einmal im Schnee landete, kam Chris dann und wann aus den umstehenden Bäumen herausgeschossen, schaute, ob ich noch lebte, und war mit einem Sprung wieder verschwunden. Irgendwie gelang es mir alle Bäume zu verfehlen und in einem Stück unten anzukommen. Für die letzte Abfahrt des Tages hatten sich Chris & Derek etwas ganz besonderes herausgesucht - Geikie Street: lang, steil und eisig, dafür aber schön breit. Begeistert rauschte ich in weiten Kurven zu Tale - während meine beiden Kollegen den etwas direkteren Weg nahmen. Bei einem etwas ruppigerem Schwung beschloss mein linker Ski, dass er sein eigenes Ding machen wolle, und verließ mich. Leider war der Hang so steil, dass ich ein ganzes Stück rutschte, bevor ich endlich einigermaßen zum Sitzen kam. Um an mein flüchtiges Sportgerät zu gelangen musste ich die Spitzen der Skischuhe in den hartgefrohrenen Schnee hacken, während ich mich mit den Fingerspitzen festkrallte. Dann ließ ich mich gaanz vooorsiiichtiig zum Rest meiner Ausrüstung heruntergleiten und machte mich daran, die Ski wieder anzulegen - gar nicht so einfach wenn man dauernd nach unten weiterrutscht. Noch komplizierter wird es natürlich, wenn man den Ski falschrum hält, wie mir die inzwischen herbeigekommene Skiwacht freundlich mitteilte. Nachdem auch dieser Mißstand erfolgreich behoben war, nahm ich meine Talfahrt wieder auf.
Wenig später am Parkplatz wurde der erfolgreiche Tag erstmal ausführlich besprochen und vor allem begossen, und natürlich durfte für Chris & Derek auch das Weed nicht fehlen. Irgendwann gab es dann nichts mehr auszuwerten, aufzurauchen, auszutrinken oder einzupacken und wir machten uns auf die Heimfahrt (die nur ein ganz klein wenig halsbrecherisch war). Zurück in Jasper lud mich Derek in sein Apartment ein, das sehr günstig direkt über Freewheel gelegen ist. Dort überbrückten wir die Zeit mit mehr Bier, Weed und Cookies, und ich freundete mich mit Dereks leicht verrücktem aber durchaus liebenswerten Kater Roo an. Um halb acht gingen wir dann aus dem Haus und genau zwei Eingänge weiter zu EVIL DAVE'S, einem der besten Restaurants in Jasper. Die Freewheel Staff Party war im Gange, und es ging bereits hoch her. Während der nächsten Stunden aßen, tranken und lachten wir ausgiebig, und versuchten gemeinsam einen Namen für die demnächst öffnende Zweigstelle zu finden. Dabei mangelte es nicht an Kreativität, doch es war schwierig, unter den zahlreichen Vorschlägen einen einigermaßen jugendfreien Namen zu finden. Irgendwann verlagerte sich die Feierlichkeit dann in Andrews Apartment - 3 Eingänge die Straße runter (ja so groß ist Jasper). Dort wurden die Fahrräder (4 von ihm, 2 von seiner Freundin, 2 im Bau) vom betrunkenen Fachpublikum ausgiebig befingert und begutachtet. Unter lauter Musik ''It annoys my neighbors - heehee!'' gab es mehr Bier, und je nach Bedarf auch mehr Weed.
Irgendwann, und unter Protest aller Anwesenden, machte ich mich dann mit dem Rad auf den Weg zum Hostel. Der Übergang hätte kaum mehr abrupt sein können, von der feuchten lärmenden Hitze der Party in die eiskalte Stille der Nacht hinaus. Ich genoss jeden Moment, als ich durch die stummen Wälder unter den klaren Sternen in Richtung meines Bettes radelte - glücklich, erschöpft, und ein klein wenig betrunken.
Stay tuned,
Dirk.
Mittwoch, 23. April 2008
''Das ist aber eine komische Wolke...''
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2 Kommentare:
Hast du ein Glück, das ein Smiley dahinter ist... :-P
:D
Sonst?
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