Samstag, 19. April 2008

Waaaaa! Aaaargh!



Das und noch mehr Sachen (die nicht für zarte Gemüter taugen) hab ich heut auf dem Weg zur Arbeit dem schneidenden Wind entgegengeschrien. Sonderlich beeindruckt war er allerdings nicht. Stattdessen verdoppelte er einfach das Bombardement auf zwei Milliarden Eisnadeln pro Sekunde. Bastard.

Ja, ich gebs zu, ich bin ein verweichlichter Mitteleuropäer, ich dusche warm, ich mag keine Kälte. Normal ist das aber trotzdem nicht, Höchsttemperaturen von -9°C Ende April, und das lassen auch die Einheimischen durchblicken. Nur Al erregte Aufsehen mit seiner Abhärtung, als er heute aus dem eiskalten Sturm barfuß in Flipflops in den Laden trat. Die allgemeine Bewunderung wischte er mit einer Grimasse beiseite, und aus seinen leicht bläulichen Lippen zwängte er die Worte ''Laundry Day.'' hervor.

Zugegeben, als ich vor nunmehr fast fünf Wochen hier ankam, war es nicht viel wärmer - nachts. Doch wenigstens konnte ich in meiner Mittagspause mal nur im Sweatshirt in der Sonne sitzen und lesen. In den letzten Tagen fordert jeder Schritt vor die Tür mindestens genauso viel Überwindung wie ein Sprung in kaltes Wasser, und sehr viel anders fühlt es sich auch nicht an.

So wie es im Moment aussieht reicht meine Gaderobe geradeso aus, dass ich auf dem Weg zur Arbeit nicht erfriere, doch besonders meine Hände sind jedes mal verdammt nah dran. Nun werdet ihr fragen, warum ich mir im Wintersportort Jasper nicht einfach ne dicke Jacke und vor allem ein paar ordentliche Handschuhe kaufe. Die Antwort ist einfach: bis zu dem plötzlichen Kälteeinbruch war der Wintersportort schon voll auf Frühling eingestellt, und sämtliche mir passende Wintersachen in Superhalfpriceausverkaufsales in die Taschen der letzten Skitouristen gewandert. Glücklicherweise und aus lauter Freundlichkeit hat Derek (einer unserer besten Mechaniker) mir versprochen, mal seine Wintersachen zu durchforsten, damit ich wenigstens am Dienstag angemessen gekleidet bin.

Denn am Dienstag wird Freewheel Jasper seine Türen nicht für Kunden öffnen, nein. Stattdessen werden sich alle Angestellten auf den zunehmend leeren Pisten des Marmot basin Skigebietes austoben. Glücklicherweise ist Chris, der Mann von Wendy, Skilehrer, und die beiden haben versprochen, mich in einem Stück vom Hügel wieder runter zu bringen. Ich freu mich schon drauf. Abends dürfen die Überlebenden des Skihanges es sich dann beim Staff-Dinner gutgehen lassen - und Terry sicher auch. Der wollte sich nicht so lange gedulden und hat sich gleich diese Woche beim Snowboarden die Schulter ausgerenkt und den Finger gebrochen. Damit ist er reichlich vier Wochen außer Gefecht gesetzt, nimmt es aber mit Humor: ''At least it will be sunny by then, and the Trails will be dry!''

Mich dauert seine Verletzung besonders, hatten wir doch letzten Montag einen schönen, verrückten und auch ein bisschen gefährlichen Tag zusammen. Doch das ist eine andere Geschichte, die von Felsen, Erdhügeln, Selbstüberwindung, und auch von Hamburgern, Bier und Hockey handelt.



Stay tuned,
Dirk.

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